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Varoufakis im Gespräch mit Evgeny Morozov über Krypto, die Linke und Technofeudalismus – CRYPTO SYLLABUS langes Interview

Varoufakis im Gespräch mit Evgeny Morozov über Krypto, die Linke und Technofeudalismus – CRYPTO SYLLABUS langes Interview

Günter Koch:

Das folgende Interview mit Yanis Varoufakis habe ich für eine erste Diskussion in diesem Think Tank zu alternativer Ökonomie ausgewählt, weil es hoffentlich einige Diskussionen anstoßen wird, die zeigen, wie ein neues Verständnis von Ökonomie gestaltet werden könnte.

Das Aufkommen der Blockchain-Technologie öffnet die Türen für verschiedene Überlegungen, wie ein neues Wirtschaftsmodell, das das bestehende “lineare” System ablöst, konstruiert werden kann. Die Technologie als solche ist nur ein Werkzeug, um neue Ideen und Modelle zu entwickeln, wie z.B. neue (Geld-)Währungen aussehen können – die bekannteste Kryptowährung ist heute Bitcoin – oder wie Wertobjekte in digitalisierter Form definiert und verhandelt werden können, wie es derzeit durch NFTs (Non-Fungible Tokens) Token geschieht oder wie neue organisatorische Austauschinfrastrukturen in der Wirtschaft aufgebaut werden können, Stichwort DAO (Decentralized Autonomous Organization). All dies sind Bausteine für eine neue Welt an Wirtschaftsmodellen, die an politische, soziale und ethische Bezugssysteme gebunden sein können.

Das Wort ist jetzt offen für die Diskussion!


Von Yanis Varoufakis

Es gibt nur wenige Menschen, die in einem einzigen Interview so kompetent – über den Aufstieg der NFTs und ihre Ursprünge in den virtuellen Welten der Spiele, die Logik des entstehenden Technofeudalismus und die Torheit der Bitcoin-lastigen Verhandlungstaktik El Salvadors mit dem IWF. Glücklicherweise haben wir diese Person in Yanis Varoufakis gefunden, dem prominenten Wirtschaftswissenschaftler, Politiker und öffentlichen Intellektuellen, der auch ehemaliger griechischer Finanzminister ist. Yanis Varoufakis war so freundlich, uns ein ausführliches Interview zu gewähren, das einen umfassenden (und bisweilen recht kritischen) Überblick über die Vorgänge an der Schnittstelle zwischen Geld, Makroökonomie und dem Digitalen bietet.

~ Evgeny Morozov


Anfang der 2010er Jahre, vor Ihrer Tätigkeit in der griechischen Regierung, arbeiteten Sie als Economist-in-Residence für Valve, ein bekanntes Spieleunternehmen. Inwiefern waren Ihre Fähigkeiten als Wirtschaftsexperte für Spieltheorie nützlich für die Analyse der Wirtschaft virtueller Welten? Und welche Einblicke in das Innenleben der realen Wirtschaft haben Sie durch diese Erfahrung gewonnen, wenn überhaupt?

Vor zehn Jahren war das Metaverse in den Spielgemeinschaften bereits in vollem Gange. Die Spiele von Valve hatten bereits eine so große Wirtschaft hervorgebracht, dass Valve sowohl begeistert als auch verängstigt war. Einige digitale Güter, die zuvor kostenlos (über die Drops des Spiels) verteilt worden waren, wurden auf eBay für Zehntausende von Dollar gehandelt, lange bevor irgendjemand an NFTs gedacht hatte.

Was wäre, wenn die Preise für diese spontan lukrativen Gegenstände und Aktivitäten einbrechen würden? Das war es, was die Leute bei Valve nachts wachhielt. Das geht aus der E-Mail hervor, mit der man sich an mich wandte: “Ich verfolge Ihren Blog schon seit einiger Zeit… In meinem Unternehmen diskutierten wir gerade über die Verknüpfung der Volkswirtschaften zweier virtueller Umgebungen (Schaffung einer gemeinsamen Währung) und rangen mit einigen der heikleren Probleme der Zahlungsbilanz, als mir der Gedanke kam: “Das ist Deutschland und Griechenland” – ein Gedanke, der mir nicht gekommen wäre, wenn ich nicht Ihren Blog verfolgt hätte”.

Quelle, übersetzt von und mehr: World Capital Institute

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