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SPECIAL: Smart Cities und die Künstliche Intelligenz (KI)

SPECIAL: Smart Cities und die Künstliche Intelligenz (KI)

Liest man in Blogs, Fachforen und / oder Newsportalen Beiträge über die Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz (KI) im Zusammenhang mit der Ausgestaltung einer Smart City, begegnet man häuig den Autoren Bedenken und Ängste bzgl. der KI. Abhängigkeit von Computern werden regelmäßig aufgeführt, fehlende Entscheidungsfreiheit der Bürger, da KI einem ja alles abnimmt und das Eingreifen in den bürgerlichen Alltag durch Algorithmen lassen Städte nur allzu mathematisch kühl und weniger sozial erscheinen.

Daher habe ich mich entschieden, einen Special-Blog-Beitrag über KI zu erstellen, der aus unterschiedlichen Perspektiven die Chancen und Vorteile der KI im Sinne einer Smart City beleuchten soll. Dazu ist das Special aus 4 Beiträgen aufgebaut:

  • Teil 1: Das Potenzial von Smart Cities – sicherer, sauberer und grüner
  • Teil 2: Welche Wartung für die Smart City?
  • Teil 3: Wie KI uns künftig den Alltag erleichert
  • Teil 4: Smart City – Lösungen für sichere, resilientere Gemeinden

 

Teil 1: Das Potenzial von Smart Cities – sicherer, sauberer und grüner


Der technologische Fortschritt verändert Städte in rasantem Tempo und verspricht, das städtische Leben nicht nur einfacher, sondern auch sauberer, grüner und sicherer zu machen. Diese Woche geht es in Business Planet um die Revolution der smart cities. In Amsterdam wird künstliche Intelligenz genutzt, um den Alltag für alle besser und reibungsloser laufen zu lassen.

Problematische Popularität
Popularität kann auch problematisch sein. Vor der Pandemie war Amsterdam ein Magnet für Touristen. Die Besucherzahlen sind zwar zuletzt aufgrund von Reisebeschränkungen zurückgegangen. Aber die Stadt hat mit der Erprobung von Technologien zur Überwachung von Menschenmengen begonnen: So will man Abstandsregeln und Hotspots in Zukunft besser kontrollieren.

Thomas van Arman, der Gründer & Direktor von Tapp wude mit der Entwicklung dieser Technologie beauftragt:

Ich habe in den vergangenen zehn Jahren an mehreren Projekten für die Stadt mitgewirkt. Abfall-Apps oder Energie-APIs (Application Programming Interface). In diesem Fall, im vergangenen Jahr ging es um das Thema überlaufene Stadt (busyness). Amsterdam ist ein populärer und sehr voller Ort. Wie kann man in Zukunft Technologien sicher, ethisch und verantwortungsvoll einsetzen?”

Kameras und ein auf künstlicher Intelligenz basierender Algorithmus erfassen die Größe, Dichte und Richtung von Menschenmengen. Die verschlüsselten Daten werden als Heatmap dargestellt, einem Diagramm, das Daten visualisiert.

An zwei Orten, darunter das Johan-Cruyff-Fußballstadion, wird die Technologie getestet. Dabei werden sowohl die Privatsphäre als auch die Sicherheit der Menschen geschützt.

Rachel Tienkamp von der Amsterdamer Stadtverwaltung meint: “Es hilft uns als Stadtverwaltung, wenn wir wissen, wo die Menschenmassen sind. Wann ist es am vollsten und vor allem an welchen Orten. Dann können wir entsprechende Maßnahmen ergreifen. Zum Beispiel, die Leute umleiten. Dank der Daten wissen wir, was zu tun ist.”

Intelligente Städte für einen grünen und digitalen Wandel in Europa
Das System, zu dem auch eine App gehört, die die Nutzer über überfüllte Stadtviertel informiert, ist nur eine von vielen intelligenten Lösungen in der niederländischen Hauptstadt. Deshalb wurde Amsterdam im Rahmen der EU-Initiative “Intelligente Städte” zu einer Mentorenstadt ernannt. Eine vom EU-Programm COSME finanzierte Initiative, die den grünen und digitalen Wandel in Europa vorantreiben soll.

Und Cornelia Dinca von Amsterdam Smart City erklärt: “Bei der ‘Intelligent Cities Challenge’ geht es darum, neue Technologien zu nutzen, um 136 Städte funktionaler, attraktiver und wettbewerbsfähiger zu machen. Es geht darum, voneinander zu lernen, Lösungen auszutauschen und zu verhindern, das Rad immer wieder neu zu erfinden. Es geht darum, bereits erprobte Lösungen umzusetzen.” Und weiter sagt sie: “Amsterdam ist eine gewachsene Stadt, aber es gibt überall Technologie. Wir experimentieren zum Beispiel mit autonomen Booten, mit Drohnen. Uns ist wichtig, Technologie auf ethisch verantwortungsvolle Weise einzusetzen, die die Privatsphäre und die Autonomie der Menschen schützt.”

Es geht darum, voneinander zu lernen, Lösungen auszutauschen und zu verhindern, das Rad immer wieder neu zu erfinden. Es geht darum, bereits erprobte Lösungen umzusetzen.”

Steigende Nachfrage nach intelligenten Lösungen
Entwickler gehen davon aus, dass die Nachfrage nach solchen intelligenten Lösungen erheblich steigen wird. Und es gibt geschäftliche Vorteile laut Thomas van Arman:

Es gibt viele Möglichkeiten. Diese Probleme werden immer dringlicher, und wenn Sie ein Unternehmensentwickler, Designer oder Programmierer sind, können Sie diese Probleme aufdecken und der Stadt helfen, sie zu lösen, um eine sozial, ökologisch und wirtschaftlich nachhaltige Lösung für diese Probleme zu finden.”

Quelle: Euronews

Teil 2: Welche Wartung für die Smart City?


Gefüllt mit Sensoren überwacht die intelligente Stadt ihre Infrastruktur und hält sie mit vorausschauender Wartung in Stand. 5G und die Technologien des City Information Modeling (CIM) müssten diese Entwicklung noch beschleunigen. Willkommen in der Stadt der Zukunft!   Wie macht man eine Stadt „smart“? Der erste Schritt besteht darin, die städtische Infrastruktur mit einer Vielzahl von Sensoren auszustatten, um sie mit dem Internet zu verbinden. Bushaltestellen, Straßenlaternen, Werbetafeln, öffentliche Bänke, Litfaßsäulen und sogar ein Mülleimer, jedes Gerät ist potenziell „intelligent“.   In Kombination mit künstlicher Intelligenz öffnet das Internet der Dinge (IoT) die Tür für eine vorausschauende Wartung, die Pannen aufspürt, bevor sie entstehen. Die Wartungsteams der Stadt müssen auf ihrer Tour nur noch einen Verschleiß reparieren oder eine Glühbirne auswechseln. Alles wird ihnen auf ihrem Bildschirm angezeigt.   Die vorausschauende Wartung basiert auf dem Vergleich der Daten eines Gerätes, die in Echtzeit übermittelt werden, und seiner Nutzungshistorie. Die Analyse von Leistungsabweichungen ermöglicht es, Anzeichen für Störungen frühzeitig zu entdecken.   Wenn ein Teil bedenkliche Zeichen aufweist, muss es so schnell wie möglich ausgetauscht werden. Es ist auch möglich, ein Leck in einem Energieverteilungsnetz aufzuspüren und sofort Servicetechniker zu alarmieren.   Die Sensoren sind aber nicht die einzigen, die dem städtischen Wartungsservice Informationen liefern. Einige Städte wie Paris haben einen QR Code auf ihren Einrichtungen angebracht, den Bürger mit dem Smartphone scannen können, um eine Panne oder Abnutzung zu melden. So trägt jeder Bürger aktiv dazu bei, die Qualität der öffentlichen Dienstleistung zu verbessern.

Der Hypervisor, der Kontrollturm der Wartung der Smarten City
Im Zentrum des Systems findet man den Hypervisor, der eine Art Kontrollturm der Smarten City darstellt. Es sammelt alle Daten aus der Stadt und steuert wie ein Cockpit alle Geräte der Stadt und koordiniert die verschiedenen Services. Um die Reaktivität des Systems zu optimieren, können bestimmte Szenarien voreingestellt werden und es so teilautonom machen.   Nehmen wir zum Beispiel ein Gasleck in einem Wohnviertel. Jede Sekunde zählt. Der Hypervisor ermöglicht den Zugang zu Überwachungskameras vor Ort, kann die Ampeln manipulieren, um den Weg für die Notfallkräfte frei zu machen, und die Einsatzplanung vereinfachen.  

Die Widerstandsfähigkeit der Städte stärken
Überschwemmungen, Erdbeben, Hitzewellen, Terrorangriffe, Cyberattacken … . Die Nachrichten erinnern uns beinahe täglich an die Verwundbarkeit unserer Städte. Diese Phänomene werden sich angesichts des Klimawandels, des demographischen Entwicklung, der Globalisierung oder der digitalen Transformation wahrscheinlich noch vermehren.   Es stellt sich also die Frage, wie widerstandsfähig unsere Städte sind. Damit ist die Kapazität einer Stadt gemeint, ihre lebensnotwendigen Services auch im Notfall aufrechtzuerhalten. Die Strategien der 100 Resilient Cities zeigen, dass die Digitalisierung hier eine wichtige Rolle spielt. Das Netzwerk dieser Städte, zu denen auch Paris gehört, wurde von der Rockefeller Stiftung ins Leben gerufen.

BIM + SIG = CIM
Dieses Jahr wird die Einführung des 5G-Netzes erwartet. Es verspricht eine Leistung von mehreren Gigabits pro Sekunde für eine Latenz von weniger als einer Millisekunde. Wenn die neue Norm erst flächendeckend, vor allem indoor, ausgebaut ist, könnte die Anzahl der kommunizierenden Geräte in der Smarten City explodieren.   Mit dem Konzept des CIM (City Information Modeling) kann die Smarte City auch mit privater Infrastruktur kommunizieren. Das CIM verbindet die Daten des SIG (System für geographische Information) mit denen des BIM (Building Information Modeling).   Zur Erinnerung, das BIM ist der digitale Zwilling eines Gebäudes. Dieses virtuelle Abbild beschleunigt das Aufspüren von Pannen und verringert die Einsatzzeiten von Technikern. Indem es die öffentliche und die private Infrastruktur verbindet, sorgt das CIM für einen besseren Informationsfluss zwischen beiden an der Wartung beteiligten Gruppen der Smarten City.   Sogar bevor das Gebäude errichtet wird, kann man es mit dem CIM projizieren und so feststellen, ob zum Beispiel die Ausgänge für einen schnellen Zugang von Einsatzkräften geeignet sind. Letztere haben über das CIM alle Informationen über das Gebäude, die für Wartungseinsätze nötig sind.  

Das Spektrum einer “Google City”
Eine Tochter von Google, Sidewalk Labs experimentiert in einem Stadtviertel von Toronto mit einer sogenannten „data driven“ Stadt. Zum Besten oder zum Schlechtesten. Ein Artikel der Monde beschreibt diese „Google City“ als Ort, an dem „Unmengen von Sensoren in Echtzeit auch die kleinste Bewegung im Viertel registrieren, Systeme künstlicher Intelligenz das Verhalten und die Nutzungen analysieren und so zum Traum – oder Alptraum – einer Stadt werden, in der alles über Daten verwaltet wird.“

Angers und Dijon, Schaufenster der Metropolen der Zukunft
In Frankreich werden die laufenden Projekte von Gemeinden geführt. Sie garantieren den Schutz der Privatsphäre ihrer Mitglieder. Die Metropole Angers will die intelligenteste Region Frankreichs werden und hat ein sehr ehrgeiziges Projekt gestartet. Im letzten November hat sie einem Konsortium aus Engie, Suez, La Poste und dem Versicherer VYV einen Vertrag geben, der auf 178 Millionen Euros für 12 Jahre geschätzt wird.   Laut dem Journal du Net sollen 50 000 Sensoren im Großraum Angers installiert werden, um die Beleuchtung, das Wasser, den Abfall, das Parken, den Nahverkehr, die Gesundheit, die öffentlichen Gebäude oder die Überwachung zu steuern. Durch die effizientere Nutzung ihrer Ressourcen wollen die Metropolregion und die Stadt Anger in 25 Jahren 101 Millionen Euros einsparen.   Eine andere intelligente Stadt ist Dijon. Die erste Etappe ihrer Digitalisierung wird OnDijon genannt und hat zum Ziel einen einzigartigen Kommandoposten zu schaffen, der alle städtischen Geräte des 24 Gemeinden umfassenden Gebietes zu kontrollieren: die Ampelanlagen, die öffentliche Beleuchtung, Kameras der Videoüberwachung, Gleisanlagen usw.   In der nächsten Phase soll eine einzigartige Plattform geschaffen werden, die von Citelum entwickelt wurde und Muse genannt wird. Sie ermöglicht es Servicetechnikern, „an alle Informationen zu kommen, die die städtischen Einrichtungen betreffen, Wartungseinsätze effizient zu planen und ihre Partner über den Fortschritt ihrer Arbeiten zu informieren.“  

Optimierte Wartung: Ein Identitätsformular für jedes Gerät
„Jedes Gerät profitiert von einem Identitätsformular, seiner Geolokalisierung und seiner Historie. Falls eine Steuerung festgestellt wird, können Wartungstechniker sofort eingreifen. Die Teams im Außendienst erhalten den kompletten Auftrag und alle Informationen auf ihre Tablettes, von denen sie auch ihren Abschlussbericht schicken.“   Die Berichte und Analysen, die von der Plattform erstellt werden, führen auch dazu, den Betrieb der Geräte zu optimieren. So kann die Beleuchtung einer Straße im Verhältnis zu den vorbeifahrenden Autos verringert werden. Allein der Austausch der Leuchtmittel zugunsten von LEDs sollte zu 65% Energieeinsparung in 12 Jahren führen.  

Quelle: Praxedo

Teil 3: Wie KI uns künftig den Alltag erleichert


Wann merkt man eigentlich, dass man in der Zukunft lebt? Schon jetzt gibt es vieles, was vor einigen Jahren noch pure Science-Fiction war: Drohnen, selbstfahrende Elektroautos, digitale Sprachassistenten. Und die Entwicklung schreitet stetig voran. Smarte Kommunikation, smarte Mobilität, smarte Wohnungen und smarte Städte werden unseren Alltag immer mehr prägen und uns das Leben erleichtern. Technisch ist bereits heute so einiges machbar. Was sich letztendlich durchsetzen wird, haben wir selbst in der Hand.

 

Es ist sechs Uhr morgens. Die Künstliche Intelligenz (KI) in der Wohnung von Jana und Max öffnet Stück für Stück die Jalousien und erhöht damit behutsam die Helligkeit im Schlafzimmer. Parallel wärmt sie die Kaffeemaschine vor und bucht ein autonom fahrendes Auto, das Jana in einer Stunde zu Hause abholen wird. Die Architektin hat heute einen Termin in einem noch zu erschließenden Neubaugebiet in der Region Hannover, da kommt sie um eine Fahrt mit dem Auto nicht herum. Sonst arbeitet sie für gewöhnlich im Homeoffice oder in Co-Working-Spaces in der Nachbarschaft. Max wird mit dem Pedelec zur Arbeit fahren. Dass der Akku vollständig geladen ist, hat die KI bereits überprüft: Geladen wurde er ganz einfach per Induktion über die hauseigene Ladestation.

6:10 Uhr: Die Matratzen beginnen, leicht zu vibrieren. Die Zeiten, in denen Wecker die Menschen abrupt aus dem Schlaf gerissen haben, sind lange passé. Max steht zuerst auf. Er mag kein grelles Licht im Bad, dafür aber Musik. Daher hat die KI die Helligkeit heruntergeregelt und spielt seinen derzeitigen Lieblingssong ab. Die Dusche fängt an, automatisch mit aufbereitetem Grauwasser zu laufen. Mit einem Mix aus gesammeltem Regen- und Grauwasser wird auch die Urban Farm bewässert, die ans Wohnquartier angeschlossen ist und von der die Bewohner ihr Gemüse beziehen. Der verwendete Strom zum Aufheizen des Duschwassers wird ebenfalls nachhaltig produziert: Er wird auf dem Dach mittels Photovoltaikmodulen erzeugt und im Stromspeicher im Keller gespeichert.

Als Max und Jana die Wohnung gegen 7:30 Uhr verlassen, müssen sie nicht daran denken, abzuschließen. Einen Schlüssel haben sie gar nicht: Die KI erkennt anhand ihrer Smartwatches, dass sie ihren definierten Heimbereich verlassen. Das System schließt daraufhin selbstständig ab, schaltet alle Lichter und die Kaffeemaschine aus und schließt die Fenster.

o oder so ähnlich könnte in Zukunft ein typischer Morgen aussehen – wenn Smart-Living-Systeme uns in allen Aspekten des Alltags unterstützen und das Smart Grid die Energie intelligent zwischen allen Teilnehmern am Stromnetz ausbalanciert. Schon jetzt kommt uns vieles davon bekannt vor: Kaffeemaschinen lassen sich bereits heute programmieren, und per App steuern wir nicht nur die Heizung und das Licht, sondern aktivieren auch intelligente Türschlösser. Moderne Niedrigenergiehäuser und Energieeffizienzhäuser wissen schon heute, wann die richtige Zeit zum Lüften ist, damit Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit optimal bleiben. Die Rollläden öffnen und schließen sich automatisch je nach Lichteinfall. Eine Klimaanlage braucht es daher kaum, und das Heizen wird auf ein Minimum reduziert. Smarte Filter halten die Luft frei von Pollen, Schmutz und unangenehmen Gerüchen. Alles ist auf Effizienz, aber auch auf unseren Komfort und unsere Sicherheit ausgelegt. Das spart Geld, Zeit und Emissionen.

Was heute jedoch noch fast ausschließlich auf Smart Homes beschränkt ist, wird sich in Zukunft auf unser gesamtes Umfeld ausweiten. Denn Smart Living ist ein Zusammenspiel von intelligentem Wohnraum und Smart Citys. Erst gemeinsam entfalten sie ihr volles Potenzial, das neben den Bereichen Mobilität, öffentliche Sicherheit, Verwaltung, Abfall- und Wasserwirtschaft und Energieversorgung auch den Gesundheitsbereich und den Klimaschutz einschließt.


KI kann mehr als nur Fernbedienung sein

Klar ist: Es braucht noch viele weitere technische Entwicklungen, bis alles reibungslos ineinandergreift. Für Michael Schidlack, Principal Researcher bei der Smart-Living-Services Plattform ForeSight, gehört dazu auch eine größere Autonomie der eingesetzten KI. Man müsse über das Stadium der „Fernbedienung“ hinauskommen, so Schidlacks Vision: „Es muss so ähnlich wie beim autonomen Fahren funktionieren: Fahrende setzen sich hinters Steuer und werden automatisch an den gewünschten Ort gefahren. Der Mensch muss lediglich das gewünschte Ziel kommunizieren. Die KI agiert situationsabhängig und vorausschauend, folgt also keinen starren Regeln mehr.“

Derzeit ist die Entwicklung einer solchen selbstlernenden KI die größte Herausforderung für die Forscher. Es gibt viele Ansätze, die den Weg für autonome Technologie bereiten, vor allem im Bereich der E-Mobilität. Die Drohnentaxi-Programme in Dubai, Singapur und Los Angeles sind hierfür interessante Beispiele: Schon 2023 soll der kommerzielle Betrieb aufgenommen werden, zunächst mit einem Piloten an Bord. Ab 2025 sind die Flugtaxen nur noch mit KI unterwegs – so der Plan. Denkbar ist dann in den Städten auch Luftlinienverkehr analog zu Bus- und Bahnstrecken, um den öffentlichen Nahverkehr zu entlasten.

Am Boden sorgt derweil der Umstieg von Verbrennermotoren auf Elektroantrieb laut einer Studie des Telematikanbieters Geotab dafür, dass pro Fahrzeug durchschnittlich 40 Tonnen CO₂-Emissionen im Jahr gespart werden können – und so das Klima entlastet wird. Die autonome KI wird auch auf den Straßen immer mehr zum Thema: 2022 schickt MOIA die ersten selbstständig fahrenden E-Autos auf Hamburgs Routen durch die belebten Stadtteile Winterhude, Uhlenhorst und Hohenfelde. Ein geschulter Sicherheitsfahrer wird zunächst noch an Bord sein, um im Notfall eingreifen zu können. 2025 sollen dann alle Tests abgeschlossen sein, und autonomes Fahren soll fester Bestandteil des Alltags werden.

„Städte auf der ganzen Welt wollen ihren Verkehr effizienter und klimafreundlicher gestalten. Autonomes Ridepooling kann die städtische Mobilität verbessern, die Sicherheit im Straßenverkehr erhöhen und damit die Städte zu lebenswerteren Orten machen.“

MOIA-CEO Robert Henrich über die Bedeutung autonomen Fahrens

Ohne Mehrwert kein Erfolg

Das Smart Living der Zukunft ist aber nicht nur auf den realen Raum limitiert, sondern verbindet diesen auch mit der virtuellen beziehungsweise der erweiterten Realität (Augmented Reality). Die bisherigen Anwendungen dieser Technologie beschränken sich in der Regel noch auf Videospiele und Filmprojekte. Bald dürfte die virtuelle Welt jedoch ebenfalls Teil unseres Alltags werden, denn die Entwicklung schreitet rasch voran. Unternehmen können ihren Kunden dann in virtuellen Läden beispielsweise eine Möglichkeit geben, ihre Produkte auszuprobieren und sich in Ruhe umzusehen, ohne dass sie dafür das Haus verlassen müssen. IKEA verfolgt diesen Ansatz der virtuellen Umgebung bereits. Und auch Peloton, ein US-amerikanischer Anbieter für Fitnessgeräte, zeigt seinen Kunden mittels AR in der App, wie ein Fitness-Bike bei ihnen zu Hause aussehen könnte.

Eine andere Einsatzmöglichkeit wäre die virtuelle Schulung von Fachkräften im Umgang mit bestimmten Arbeitsgeräten. Durch die Verschmelzung von virtueller und realer Umgebung lassen sich in der erweiterten Realität schon heute Informationen über Objekte oder Bedienungsanweisungen für Geräte ins Sichtfeld einblenden. Für eine noch wirklichkeitsgetreuere Erfahrung forschen Wissenschaftler jetzt daran, haptische Feedbacks in der Luft zu erzeugen – etwa durch Ultraschallwellen. So könnte man die virtuellen Dinge auch fühlen. Damit die Smart-Living-Technologie für uns attraktiv wird und sich langfristig durchsetzen kann, ist es enorm wichtig, dass sie einen praktischen Nutzen und damit verbunden einen Mehrwert hat.

„Technisch ist ganz vieles machbar, aber es geht immer darum, etwas zu schaffen, das Bürger akzeptieren und gern nutzen, weil es für sie einen Mehrwert bedeutet. Damit verbreitet es sich dann auch weiter.“

KfW-Vorstand Dr. Ingrid Hengster über die Zukunftsfähigkeit von Smart-Living-Ansätzen

Was bremst Smart Living aus?

Mittlerweile gibt es viele unterschiedliche Angebote und Leuchtturmprojekte. Der Realitätscheck zeigt allerdings, dass unsere Umwelt noch lange nicht smart genug ist. Die intelligente Straßenbeleuchtung, die smarte Mülltonne oder die digitalen Parkplätze, die automatisch ihre Verfügbarkeit melden, müssen sich erst noch in unserem Alltag etablieren. Den Grund dafür, dass die neuen Technologien noch kein Mainstream sind, sehen Experten in einem fehlenden Masterplan. Noch immer gibt es keine endgültige Antwort auf die Frage: Was will Smart Living – und damit ein intelligentes Zuhause – in einer intelligenten Stadt erreichen?

Quelle: Enercity

Teil 4: Smart City – Lösungen für sichere, resilientere Gemeinden


Dies ist die Zeit für intelligente Städte
Moderne Städte wachsen auch weiterhin in einem rasanten Tempo, wobei heute bereits 55 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben und bis zum Jahr 2050 eine Steigerung dieses Anteils um 13 Prozent prognostiziert wird. 1 Weltweit stehen Städte vor der Herausforderung, ihren Bürgern greifbare und gerechte wirtschaftliche, soziale und ökologische Vorteile zu bieten. Außerdem müssen sie die Qualität und Nachhaltigkeit ihrer Dienste sowie die öffentliche Sicherheit verbessern, gegen Staus bzw. Überlastungen und Umweltprobleme vorgehen, die Kosten reduzieren und die örtliche wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit fördern. Den Umfang der bestehenden Infrastruktur und personalintensiver Prozesse zu erweitern, ist zu kostspielig, nicht machbar und unvertretbar, weshalb die Städte nach technischen Lösungen suchen, um diese Zwänge abzubauen.

 


Während die Bevölkerungszahlen gestiegen sind, hat die Digitaltechnik ungeahnte Fortschritte gemacht. Mit dem Aufkommen von Geräten für das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) sowie der Einführung von Edge-Computing, maschinellem Lernen, künstlicher Intelligenz (KI) und 5G-Kommunikationsnetzen steht nunmehr das benötigte technologische Instrumentarium für den Übergang zu intelligenten, durch Digitaltechnik unterstützten Städten zur Verfügung.

Embedded-Technik für die Smart City (Sensoren, Kameras und Edge-Computing) kann jetzt echtzeitnah über Probleme informieren, die Beachtung erfordern, und die von diesen Geräten erfassten und analysierten Daten können verwendet werden, um den städtischen Betrieb zu optimieren. Smart-City-Lösungen können grundlegende Dienste verbessern, die öffentliche Sicherheit stärken, die Nachhaltigkeit erhöhen und Informationen für die Planung und die Kommunalpolitik liefern. Außerdem können sie zur Aufwertung des Angebots für die Öffentlichkeit und zur Optimierung der betrieblichen Effizienz von örtlichen Sportstätten, Themenparks und Ferienanlagen eingesetzt werden, oder um das Parken und die Sicherheit auf Universitätsgeländen zu verbessern. Die Möglichkeiten und Auswirkungen sind vielfältiger Natur, doch jede Anwendung trägt dazu bei, mehr Lebensqualität für die Bürger zu schaffen.

 

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