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Smart & Crypto City… und wo bleibt der Stadtplaner ab?

Smart & Crypto City… und wo bleibt der Stadtplaner ab?

Gängiger Diskurs um zukunftsfähige Städte und Regionen vor dem weltweit zu erwartenden starken Bevölkerungswachstum bis 2050 (9,6 Mrd. Menschen, davon 70% in Städten) sind Smart Cities. Deutschland- und weltweit erproben Städte aller Einwohnerklassen individuelle Smart City Konzepte, d. h. die digitale diagonale Vernetzung von Menschen, städtischen Mitarbeitern und städtischen Prozessen via Big Data und KI (Künstliche Intelligenz) wie z. b. der Verkehr, die Abfallwirtschaft, Energieversorgung etc.

Als übergreifende kommunale IT-Plattform scheint sich mehr und mehr die Blockchain, die ursprünglich aus dem Finanzwesen kommt, zu etablieren. Die dezentrale Datenplattform ermöglicht eine sichere, schnelle, anonyme Datenverarbeitung und zugleich eine partizipative Beteiligung der Bürger ohne Sicherheitsbedenken.

Smart Cities führen den Gedanken im öffentlichen Diskurs derzeit beim Thema “Digitale Währungsmittel” nicht weiter, obwohl weltweit eine Adaption von z. B. Kryptowährungen in mehr und mehr Städten und Ländern als gesetzliche Zahlungsmittel voranschreitet. Crypto Cities, d. h. Städte, die entweder über eine Kryptowährung als Zahlungsmittel bereits verfügen oder über eine bedeutsame Anzahl von Unternehmen (FinTechs) im Bereich Blockchain verfügen, ergänzen heute bereits Smart Cities in einem wesentlichen Punkt. Digitales Geld z. B. in Form von Kryptowährungen, kann je nach Ausstattung beachtliche Vorteile gegenüber analogem Geld aufweisen: es ist fälschungssicher, es ist automatisierbar, es ist deflationär, es ist wertsteigernd und es kann via sog. Governance Token in DAOs (dezentrale autonome Organisationen) zur effektiven Bürgerbeteiligung verwendet werden.

Spinnt man den digitalen Gedanken einer Stadtentwicklung noch weiter, landet man nach konzeptioneller Überlegung und Anwendung von Kryptowährungen beim Metaversum, einem digitalen Raum, quasi ein digitaler Zwilling einer Stadt, in dem (lukrativer) Handel mit beweglichen und nicht beweglichen Gegenständen betrieben werden kann als auch Projekte mit Bürgern nach dem Mehrheitsprinzip umgesetzt werden können. Erlaubt ist, was keine Straftat im realen Leben bedeuten würde – ein rechtsfreier Raum ist auch das Metaversum nicht.

Nun sind all diese Themen unglaublich IT-lastig, so dass man sich die berechtigte Frage stellen muss, welche Rolle eigtl. der (arme) Stadtplaner hier noch zu suchen hat? Klassischerweise beschäftigt sich ein Stadtplaner mit der Schaffung von Bauplanungsrecht via Flächennutzungs- und Bebauungsplänen, in denen Regeln für ein ökonomisches, ökologisches und soziales Miteinander festgesetzt werden sollen. So alt ist die diese Disziplin noch gar nicht (Beginn ca. 19 Jahrhundert).

Müssen Stadtplaner jetzt zu IT-Spezialisten umgeschult werden? Die Antwort lautet: zum großen Teil ja! Es geht schon dabei los, dass bei der Wahl des richtigen Datennetzwerkes wie z. B. der Blockchain die richtigen Fragen seitens der Stadtplaner an die umzusetzenden IT-Spezialisten gestellt werden müssen. Natürlich haben die großen Mobilfunk-Konzerne und Glasfaserkabelanbieter ein hohes Interesse daran, wiederum ihre eigenen, zentralen Datenprotokolle ins Spiel zu bringen, um sich Marktanteile im Wettbewerb um die beste Smart City zu sichern. Wie soll ein Stadtplaner bitte entscheiden können, ob die Blockchain die richtige Wahl ist oder irgendein anderes (zentrales) Datennetzwerk? Selbst bei der Hinzuziehung von Spezialisten und Beratern der hiesigen Beratungsgesellschaften bezweifel ich, dass die selbe Sprache zwischen Stadtplanern und jenen Dritten gesprochen wird. Einfach abnicken – so wirds gemacht! Nettes Logo einer bekannten IT-F oder Mobilfunkfirma, reicht doch.

Wir verpassen hier wirklich die Chance, Anschluss im weltweiten Wettbewerb bei der Entwicklung von Smart Citys mit maximalen technologischen Fortschritt und Nutzen zu halten. In Asien oder Dubai , teils in New York oder Miami, ist man schon viel weiter als hierzulande. Vermutlich lautet hier die nationale Strategie: “Lasst den anderen den Vortritt – wir schauen dann mal!”.

Nur: wo soll der Stadtplaner denn hinschauen?

2 Antworten

  1. Günter Koch sagt:

    Das Thema muss viel- und interdisziplinär abgehandelt werden; insoweit ist die Frage richtig gestellt.

    • Alex sagt:

      richtig! darüber könnte man eine wissenschaftliche Arbeit bzw. ein seitenlanges Dossier abhandeln… worum es mir in diesem Artikel geht: die Berufsgruppe “Stadtplaner” steht vor gewaltigen Umbrüchen, hier gilt es nicht den Anschluss zu verlieren. Der “Stadtplaner 3.0” kommt…

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