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FAQ

 FAQ about Smart Cities


Letztes Update: 27/09/2022

1. Was versteht man unter einer Smart City / Region?
Eine Smart City bezeichnet nach heutigem Erkenntnisstand eine räumlich abgegrenzte Gebietskörperschaft, in der unterschiedliche Nutzergruppen und Leistungserbringer digital miteinander vernetzt sind und so kommunale / regionale Prozesse / Vorgänge effizienter und umweltschonender werden lassen. Die Digitalisierung als treibender Motor bestimmt diese Entwicklung bereits seit einigen Jahren und steckt dennoch noch in den Kinderschuhen, setzt man das bisher erreichte (via Modellprojekte) ins Verhältnis zu den visionären Zielen, die man sich mit der Idee einer Smart City vielerorts gesteckt hat. Geht man laut Vereinten Nationen bis 2050 davon aus, dass 9,6 Mrd. Menschen unseren Planeten global bewohnen werden und allein 70% davon nur in Städten leben werden, begreift man die Dimensionen, hinter der sich schon jetzt die Smart City messen lassen muss, will man Städte und Regionen als Zukunfts-, Wirtschafts- und Lebensorte erhalten und fortlaufend entwickeln.

2. Wer bezahlt das alles?
Die Initiierung der Idee einer Smart City ist mit Kosten verbunden – angefangen von qualifizierten Personalstellen über technische Ausrüstungen im öffentlichen und privaten Raum sowie der komplexen Datenverarbeitung. Derzeit laufen bundesweit fast alle Modellprojekte über Förderungen des BMI (Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat), flankiert über zusätzliche Förderungen auf EU-Ebene sowie Landesebene. Warum das so ist, ist einfach erklärt: kommunale Kassen sind traditionell eher angespannt, was deren finanzielle Haushaltslage betrifft und erlauben so gut wie keine zusätzlichen experimentellen Versuche, von denen der finanzielle Nutzen im Endergebnis nicht immer quantifizierbar ist.

3. Welche Bereiche umfasst eine Smart City?

  • Smarte Verwaltung und Stadtgesellschaft: das digitale Rathaus soll vollständig online seine Dienstleistungen anbieten können und vor Ort Termine wie z. B. in heutigen Bürgerämtern, überflüssig machen. Zudem sollen Beteiligungsplattformen für Bürger entwickelt werden, die sich partizipativ online an kommunalen / regionalen Bauvorhaben beteiligen können.
  • Smartes Wohnen: effizient abgestimmte Heiz- und Energieflüsse, deren Kosten in seinem Nutzungszeitraum variieren können (z. B. Benutzung einer Waschmaschine an einem bestimmten Tag zu einer bestimmten Uhrzeit). Smart Home ermöglicht durch digitale Wohnungswirtschaft ein komplettes Bedienen und Regulieren einer Wohnung durch den Mieter über ein User-Interface. Schlüssel für Wohnungen könnten durch digitale Codes überflüssig werden, codierte Paketfächer für Empfänger in Abwesenheit könnten z. B. zusätzlichen Nutzen bringen.
  • Smarte Wirtschaft: Breitbandausbau und 5G bestimmen hier den Wandel: nur durch schnelle Internetverbindungen und schnelle mobile Datenströme lassen sich neue, zukunftsgewandte Möglichkeiten erreichen, deren Nutzung ein effizienter und schnelleres Wirtschaften ermöglicht.
  • Smarte Mobilität: abgestimmte Verkehrsströme durch massenhafte individuelle Erfassung von PKWs, LKWs, Fahrradfahrern sowie den ÖPNV, die sich passgenau hinsichtlich ihrer Auslastung und ihres Energieverbrauchs lenken lassen werden.
  • Smarte Energie- und Umweltflüsse: Nachhaltige transparente Recyclingketten und nachvollziehbare Produktionswege von z. B. Lebensmitteln in Supermärkten durch Logistikketten schärfen das Bewusstsein für nachhaltigeres Handeln und Konsumieren der Bürger. Smart Grids erlauben es, Energieverbräuche individuell anzupassen und ein optimales Verhältnis von Energieverbrauch und –erzeugung (z. B. durch Solaranlagen auf Dächern) zu ermöglichen.
  • Smartes Gesundheitswesen: Digitale Rezepte per Smartphone werden schon derzeit getestet, digitale Sprechstunden in Arztpraxen und die Auslastung von Krankenhäusern hinsichtlich ihrer Belegungsquote von Betten können zu effizienteren Prozessen führen.
  • Smarte Freizeit- und Kulturaktivitäten: Digitale Kulturführer (5G & Augmented Reality) und Online-Communitybildungen für Freizeitgruppen stellen nur zwei von endlosen Anwendungsmöglichkeiten dar.
  • Öffentliche Sicherheit: Die Exekutive muss über moderne digitale Erfassungssysteme von Straftaten verfügen, um hier die Schreibtischarbeiten auf ein Minimum zu reduzieren und stattdessen im öffentlichen Raum für Präsenz und Sicherheit zu sorgen.
  • Smart Money (nicht zu verwechseln mit seiner Begriffsherkunft aus dem Finanzmarkt von Angel Investoren!): intelligentes Crypto-Zahlungsmittel, das auf der Blockchain-Technologie basiert und in Verbindung mit Smart Contracts steht (d. h. automatisierte Zahlungsabläufe ermöglicht) – im Idealfall führt seine Cryptowährung bei fortlaufenden Einsatz als Zahlungsmittel in einem Wirtschaftskreislauf zu Wertsteigerungen.

4. Kryptowährungen, NFTs und Smart Money – wie passt das mit Smart Cities zusammen?
Eine digitalisierte Stadt, in der der Warenaustausch und Leistungsprozesse weitestgehend automatisiert und digital erfolgen, benötigt auch Smart Money. Gemeint ist ein digitales Zahlungsmittel, dass die modernen Eigenschaften von z. B. Kryptowährungen auf der dezentralen Bockchain-Basis (siehe Punkt 8) vereint  (anonymer, schneller, sicherer und kostenneutraler Versand zwischen zwei Empfängern ohne dazwischen geschaltete Bank) und Elemente von Smart Contracts verbindet, so dass z. B. automatische Geldtransfers bei wiederkehrenden Warenaustauschvorgängen stattfinden. NFTs (= non fungible token) bilden inzwischen ein zusätzliches Angebot auf der Blockchain, mit deren Hilfe sichere und nicht veränderbare Dokumente / Bilder / Texte / Verträge erstellen lassen, die sich nur ergänzen lassen. Anwendungen könnten hier z. B. Personal- und Reisedokumente sein, Führerscheine, alle Arten von Krankenkassenkarten, EC- und VISA-Karten (virtuell) sowie z. B. auch im Immobilienbereich bei Grundbüchern, im An- und Verkaufsprozess und mehr.

5. Was bedeutet in diesem Zusammenhang der XBC Token?
Das Prinzip der Regionalwährung funktioniert so: Die Regionalwährung kann im Verhältnis 1:1 gegen die nationale Währung getauscht werden – hier in dem Fall ein Cross Berlin Coin (XBC) gegen einen Euro. Damit das Geld in Umlauf gebracht wird und nicht zu lange gehalten wird, verliert das Regio-Geld nach einer gewissen Zeit an Wert. Meist sind das ca. 2 Prozent der Geldeinheit nach einem Quartal. Innerhalb eines Jahres sind das also 8 Prozent des Nennwertes. Mit einem Aufkleber auf den Geldscheinen wird dieser Wertverlust kenntlich gemacht. Weil das Regio-Geld nicht lange gehalten wird und nur in einer bestimmten Region eingelöst werden kann, soll es die dortige Wirtschaft ankurbeln. Da der XBC nur digital existieren würde, entfällt umständliches Bekleben – zudem wäre er absolut fälschungssicher und hätte damit einen weiteren Vorteil gegenüber dem klassischen Euro.

 

6. Was sind Smart Contracts?
Smart Contracts sind Ereignis-Verträge mit automatisierten, rechtssicheren Wenn-Dann-Funktionalitäten, die sich automatisch ausführen lassen und zu Zeitersparnissen führen können (z. B. automatisierte Zahlungsvorgänge in Parkhäusern mit smarten PKWs, automatisierte Kühlschränke, die je nach Bedarf Bestellvorgänge und dazugehörige Zahlungen gleichzeitig auslösen können – gemeint ist hiermit übergeordnet der Begriff „Internet of Things“!

7. Wo liegen die besonderen, aktuellen Herausforderungen bei Smart Cities?
Es fehlen schlichtweg Erfahrungswerte im Umgang einer vollumfassenden Smart City in Deutschland – zwar sind vielfach Modellversuche erfolgreich initiiert und realisiert worden, sind diese aber immer regional spezifisch einzustufen – ein Modellversuch ist nicht automatisch übertragbar auf andere Kommunen und Regionen. Es gibt inzwischen sehr konkrete, ausgearbeitete Studien und Reviews, was eine Smart City theoretisch leisten sollte, ihre Umsetzung ist abgesehen von den finanziellen Aspekten eine große Herausforderung. Insbesondere die Digitalisierung, die hier als Innovationstreiber maßgeblich die Entwicklung beeinflusst, stellt zugleich Kommunen und Regionen vor die entscheidende Frage, auf welche IT-Plattform man setzen soll. Schließlich müssen in einer digital vernetzten Smart City riesige Datenmengen erfasst, verarbeitet, miteinander verknüpft und analysiert werden. Die entscheidende Frage hierbei ist: was passiert mit den Daten? Werden sie gespeichert und individuell ausgewertet? Von wem? Die Entscheidung für oder gegen einer IT-Systemplattform will gut überlegt sein, wird ihr Investitionshorizont doch von einem langem Zeitraum bestimmt (30 – 50 Jahre, ggf. noch viel mehr). Auch das Berufsfeld des Stadt- und Regionalplaners muss neu gedacht bzw. um fachliche IT-Komponenten erweitert werden.

8. Man hört im Zuge der Digitalisierung immer wieder von dem Begriff „Blockchain“. Was hat es damit auf sich?
Die Blockchain (auch DLT – Distributed Ledger Technology genannt, übersetzt: öffentlich geführte Datenbank) ist ein dezentrales Datenprotokollnetzwerk, das im Gegenzug zu zentral gesteuerten Protokollen einen entscheidenden Vorteil aufweist: es gilt aufgrund seiner Konstruktion als datensicher und bietet zugleich für den Nutzer eine personenungebundene anonyme Umgebung. Die Blockchain stammt aus dem Bereich der Kryptowährungen (Bitcoin) und hat hier ihren Ursprung. Seine Anwendungsmöglichkeiten sind jedoch nicht auf Kryptowährungen begrenzt, sondern lassen sich auf viele Einsatzbereiche anwenden – insbesondere in der Smart City. Denn sie löst bei der Digitalisierung von Smart Citys ein entscheidendes Problem: die bisher fehlende Anonymität der Nutzerdaten / -profile. Aufgrund seines Open Source – Programmcodes ist es schlichtweg nicht möglich, individuelle Bewegungsprofile auf ein Individuum zuzuordnen. Was spricht gegen die Blockchain? Nun, man sagt der Blockchain allgemein nach, sie wäre im Verhältnis zu zentralen IT-Systemprotokollen langsamer und aufgrund seiner Open Source Eigenschaft leicht zu kopieren – dem steht gegenüber, dass die Blockchain vollständige Anonymität garantiert und ihre Datenverteilung im Netzwerk erlaubt ihr eine sehr hohe Sicherheit (siehe auch: Blockchain: Vor- und Nachteile / 3. Quartal 2021).

9. Warum ist man im asiatischen Raum beim Thema Smart City schon viel weiter als hier in Europa, z. B. in Singapur?
Das liegt zum einen an den zentralistischen (Stadt-)Staaten, die eine Umsetzung komplexer Digitalisierungsmechanismen im Sinne einer Smart City einfach anordnen und realisieren können. Zum zweiten sind viele Städte im asiatischen Raum neu am Schachbrettmuster geplant und entwickelt worden – sie weisen keine (hinderlichen) historischen Stadtkerne oder Stadtinfrastrukturen ober- oder unterhalb einer Stadt auf. Sie erleichtern die Forcierung einer Smart City sehr, indem schon ihre heutigen Stadtstrukturen eine digitale Adaption begünstigen. In demokratisch geprägten Staaten wie z. B. in Europa am Beispiel Deutschland sind aufgrund seines föderalistischen Systems und die Eigenständigkeit von Kommunen sowie der politisch vielfach kritisierte Diskurs hinsichtlich der Realisierung komplexer Maßnahmen wie der Smart City i. d. R. nicht schneller oder zielführender.

10. Was will mein Smart City Blog erreichen?
Mein Blog soll zum einen aufklären und informieren, was sich aktuell im Bereich Smart City bundesweit und international tut. Je mehr man sich mit der Thematik auseinandersetzt, umso stärker greift das Verständnis auch für fachfremde Leser, die Notwendigkeit einer Smart City nicht mehr zu hinterfragen. Darüber hinaus will mein Blog zu Artikeln oder Projekten Stellung Beziehung und diese kritisch beleuchten. Adressaten sind sowohl fachfremde als auch fachlich vertiefte Lesergruppen. Insbesondere die Verknüpfung von Smart Cities und den Bereichen Smart Money und der Blockchain liegt mein Augenmerk, da hier vergleichbare Bloggs bisher nichts oder nur wenig dazu berichtet haben. Meiner Meinung nach liegt hier der Schlüssel für eine vollständig digitalisierte Stadt in allen erdenklichen Lebens- und Wirtschaftsbereichen.