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Es lebe die intelligente, nachhaltige und kreative Stadt

Es lebe die intelligente, nachhaltige und kreative Stadt

Seit einigen Jahren sprechen Politiker, Unternehmen und Wissenschaftler auf der ganzen Welt über “intelligente Städte”. Alle Städte wollen “smart” oder “intelligenter” werden, und niemand weiß mehr, was das bedeutet.

Für die einen ist die “Smart City” – mal ein Konzept, mal ein Schlagwort – das Modell des zukünftigen städtischen Lebens, das partizipativ, digital und ökologisch ist. Andere wiederum betrachten die “Smart City” als eine “unternehmerische” Idee, die einer ungezügelten, “von oben nach unten” gesteuerten, kapitalistischen Wirtschaft dienen soll. Für die einen ist die Smart City die Lösung aller städtischen Probleme, für die anderen hingegen ist sie ein Zeichen für die fortschreitende Privatisierung des öffentlichen Raums und der städtischen Verwaltung.

Diese beiden Ansätze zur Smart City – einerseits die “Optimierung”, sei es in wirtschaftlicher, sicherheitstechnischer oder ökologischer Hinsicht, und andererseits die “Beteiligung” der Bürger (in Verbindung mit “civic tech” oder “gov tech”) – scheinen sich in sich zu widersprechen. Aber jenseits dieses Widerspruchs und jenseits der Instrumentalisierung durch die Förderer der digitalen Stadt – multinationale Unternehmen oder Regierungen – besteht diese Spannung, seit der Begriff Mitte der 2000er Jahre aufkam.

Unabhängig davon, ob wir die Definition der Europäischen Union oder die des US-Verkehrsministeriums, die von IBM oder Google verwenden, denken wir bei der “Smart City” immer an die aggregierte “Stadt” oder die “Informations- und Kommunikationstechnologien”. Im Großen und Ganzen steht die intelligente Stadt für den Einzug von Technologien in das städtische Leben. Diese schaffen eine “vernetzte” Stadt, die Daten sammelt, um Mobilität, Sicherheit oder Umwelt zu fördern. Dies ist die “vernetzte Stadt”.

Auch wenn die “intelligenten Städte” sehr unterschiedlich sind und es kaum einen Konsens darüber gibt, was sie eigentlich sind, so mobilisieren sie doch alle Technologien, und zwar auf unterschiedliche Weise und in unterschiedlichem Umfang: Kameras und Sensoren zur Datenerfassung, Software zur Datenverarbeitung sowie Wi-Fi und Clouds zu deren Übertragung und Speicherung. Die ersten Bereiche der “intelligenten Städte” waren also Verkehr, Müllabfuhr, Wasser- und Energieverbrauch (insbesondere öffentliche Beleuchtung), medizinische oder Brand-Notfälle und Sicherheit (Polizei, Terrorismusbekämpfung). Ziel war es stets, diese Dienstleistungen zu “optimieren”, um sie wirtschaftlicher oder umweltfreundlicher zu machen und gegebenenfalls die Mobilität zu erleichtern. Die Übersetzung des städtischen Lebens in Daten ist daher von zentraler Bedeutung, ebenso wie ihre automatisierte Verarbeitung im Mittelpunkt der intelligenten Stadt steht, denn es geht um “Analyse”, “Vorhersage”, “Management” oder “Aktion”. Big Data” und in jüngerer Zeit auch “künstliche Intelligenz”, “maschinelles Lernen” und “Deep Learning” sind daher ebenfalls von zentraler Bedeutung für die “Smart City”.

Letztlich geht es bei allen Ansätzen, ob technisch, kommunikativ oder verwaltungstechnisch, darum, die Stadt “intelligenter” zu machen, entweder durch eine stärkere Optimierung oder, im Gegenteil, durch eine komplexere Stadtverwaltung. Dabei ist nicht immer klar, ob dies dazu dient, das Leben der Einwohner zu verbessern, die Kontrolle zu erleichtern, die öffentlichen Dienstleistungen zu verbessern oder die Öffentlichkeit zu befähigen.

Die Universität ZHdK und das Zurich Centre for Creative Economies (mit Unterstützung der Digitalisierungsinitiative der Zürcher Hochschulen) haben deshalb in einem langen Forschungsprojekt die Entstehung und Relevanz dieses Konzepts untersucht und in einer allgemeinen Einführungsstudie genauer analysiert. Ein Dutzend Fallstudien vervollständigen diese Studie, die von zehn Forschern im Rahmen einer Feldforschung durchgeführt wurde.

Am Ende kommen wir auf der Grundlage dieser Untersuchungen zu dem Schluss, dass das Konzept der “Smart City” jetzt weiterentwickelt werden muss, um seine Grenzen und blinden Flecken zu korrigieren. Und wir argumentieren in der Schlussfolgerung dieser Reihe von Beiträgen, wie wichtig Kunst und Kultur in diesem erneuerten Konzept sind, zusätzlich zu ökologischen und digitalen Fragen.

Was macht eine Stadt “einzigartig”? Die Tatsache, dass sie “intelligent” ist? Die Tatsache, dass sie “sicher” ist? Die Tatsache, dass sie einen “Kontrollraum” hat? Nein, nichts von alledem! Was wirklich zählt, sind Lebensqualität, Innovation, Kreativität und – vielleicht am wichtigsten – ein Gefühl für den Ort. Künstler können uns dabei helfen, dies zu erreichen.

Dies scheint die Richtung zu sein, in die sich die künftige “intelligente Stadt” entwickeln sollte. Nennen wir sie die “intelligente, nachhaltige und kreative Stadt”.

Quelle und übersetzt von: Creative Economies

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