Klingsorstr. 6, 12167 Berlin
+49 151 22668185
luehrs.alexander@gmail.com

Gibt es Chancen für ein Blockchain-Grundbuch in Deutschland?

Gibt es Chancen für ein Blockchain-Grundbuch in Deutschland?

Ausgangspunkt
Die Bewirtschaftungsprozesse der Immobilienbranche (An- und Verkauf, Vermietung und Verpachtung, Finanzierung und Verwaltung) sind oftmals sehr langwierig und geprägt von hoher Ineffizienz. Noch heute sind diese Prozesse weitgehend papierbasiert und liegen in den Händen von sehr vielen Intermediären, wie z.B. Asset und Property Managern, Versorgungsunternehmen, Banken, (Grundbuch- )Ämtern, Notaren, Maklern, Rechtsanwälten und anderen Beratern. Neben einer hohen Redundanz von Daten bringt dies oftmals eine schlechte Datenqualität mit sich, die im Rahmen von Transaktionen zu aufwändigen Prüfprozessen führt.

Das Grundbuch auf Blockchain-Basis
Es ist aus deutscher Sicht kaum vorstellbar, dass ein Grundstückskauf ohne Notar und ohne Grundbuch innerhalb weniger Minuten sicher abgewickelt werden könnte. Die Blockchain-Technologie könnte dies aber tatsächlich möglich machen, wie erste Projekte auf der ganzen Welt zeigen.

Prüfungsstandards & Sicherheitsaspekt der Blockchain
Durch die hier herrschenden hohen Prüfungsstandards durch Notare und Grundbuchämter ist der von der Blockchain-Technologie gebotene Sicherheitsaspekt auch von geringer Relevanz. Allerdings wäre die durch die Blockchain- Technologie möglich werdende Beschleunigung von Transaktionen auf wenige Tage oder Stunden auch für den deutschen Immobilienmarkt hochwillkommen. Schließlich dauern Immobilientransaktionen vom ersten Kontakt der Parteien bis zur Eintragung des Eigentumsübergangs im Grundbuch hier kaum unter einem halben Jahr. Die einzige Änderung des deutschen Grundbuchwesens in der absehbaren Zukunft ist die Einführung eines bundeseinheitlichen Datenbankgrundbuchs, das die derzeitige grafische Speicherung ganzer Grundbuchseiten ablösen wird, aber nicht auf der Blockchain-Technologie beruht. Dies mag zwar vereinzelt zur Beschleunigung des Grundbuchverfahrens führen, im Wesentlichen wird es aber nichts an den gegenwärtigen Grundbuchprozessen ändern.

Der Schlüssel zu mehr Digitalisierung liegt bei den Gutachterausschüssen
Um ihre Marktdaten effizienter nutzen zu können, müssen die Gutachterausschüsse ihre Prozesse digitaler gestalten. Davon würden schlussendlich alle Marktteilnehmer profitieren. Wer wissen möchte, warum es mit der Digitalisierung auf dem deutschen Immobilienmarkt eher schleppend vorangeht, sollte seinen Blick auch auf die Gutachterausschüsse richten. Die behördenähnlichen Gremien haben den gesetzlichen Auftrag, Daten über den Grundstücksmarkt zu sammeln und sie dem Markt in aufbereiteter Form zur Verfügung zu stellen. Kurzum: Sie sollen für die notwendige Transparenz sorgen.

Diese Datenaufbereitungen sind zwar für jedermann im Internet zugänglich, bieten aber tatsächlich keine Schnittstellen zu weiteren Informations- und Datenträgern (wie z. B. der Blockchain). Wenn hier nicht langfristig angesetzt wird, verpasst der gesamte Immobilienmarkt seine Chance, innovationsfreundliche Technologien wie die Blockchain zu integrieren und diese Daten und Informationen dort verfügbar und verwertbar zu machen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.