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Abfall wiederverwenden und vermeiden: Zero Waste in Berlin

Abfall wiederverwenden und vermeiden: Zero Waste in Berlin

Ob Umweltfestival oder Re-Use-Superstore – die Smart City Berlin hat eine rührige Zero-Waste-Szene. Der Berliner Senat unterstützt und fördert solche Ansätze im Rahmen einer Zero Waste Strategie, die 2020 beschlossen wurde. Bei den Projekten und Initiativen geht es nicht nur darum, Müll wiederzuverwenden oder zu vermeiden. Vor allem soll ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit und die Bereitschaft für Re-Use gestärkt werden. Erst vor Kurzem veröffentlicht: ein Leitfaden zur ressourcenschonenden Gestaltung neuer und bestehender Stadtquartiere. Denn beim Bau und Abbruch von Gebäuden entsteht besonders viel Abfall.

Neukaufen, benutzen, wegwerfen. Angesichts Klimawandel, Umweltverschmutzung und weltweitem Ressourcenmangel gerät der auf schnellen Produkt-Ersatz ausgerichtete Konsum immer deutlicher in die Kritik. Im Sinne der Nachhaltigkeit zunehmend angesagt ist hingegen „Re-Use“, die möglichst lange Nutzung von Produkten durch „Sharing“, „Repairing“ oder „Upcycling“. Es geht um Abfallvermeidung. Das langfristige Ziel: „Zero Waste“ – der geschlossene Materialkreislauf. Die Smart City Berlin nimmt in Bezug auf Zero-Waste eine Vorreiter-Rolle ein. Das zeigen u.a. Events wie das „Zero Waste Berlin Festival“, bei dem sich im September engagierte Bürger:innen, Umwelt-Aktivist:innen und Unternehmer:innen in der Berliner Malzfabrik trafen, um die Entwicklung in Richtung grüne Ökonomie und Gesellschaft gemeinsam voranzutreiben und damit dem Ziel einer „Zero Waste City“ möglichst nahezukommen. 

Die Zero-Waste-Szene in der Hauptstadt ist engagiert, eng vernetzt und aktiv. Sie sei„ deutlich größer und vielfältiger, als man auf den ersten Blick denken könnte“, resümiert der Zero Waste-Blog des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND Berlin). „Neben den Aktiven aus einem breiten zivilgesellschaftlichen Umfeld tummeln sich immer mehr Start-ups und auch einigermaßen etablierte Unternehmen in der Szene.“ Auf www.remap-berlin.de gibt der BUND Berlin eine breite Übersicht über Projekte und Initiativen. 

Berlins Zero Waste-Strategie
Doch die Berliner Szene ist nicht nur geprägt durch Nachbarschafts-Initiativen, grüne Start-ups, Zero-Waste-Restaurants und Unverpackt-Läden  –  auch das Land Berlin verfolgt gezielt eine Zero Waste-Strategie. Diese ist der Kern des im März 2020 vom Berliner Senat beschlossenen und mit dem Land Brandenburg abgestimmten Abfallwirtschaftskonzepts 2020–2030. Ansatz des darin formulierten Berliner Zero Waste-Leitbilds: Abfälle gar nicht erst entstehen zu lassen – durch lange Nutzungszeiten von Produkten, den Ausschluss von Schadstoffen aus dem Kreislauf, neue Businessmodelle, die auf dem Prinzip einer geschlossenen Kreislaufwirtschaft aufbauen, sowie Wiederverwendung und Recycling. Wörtlich heißt es in dem Konzept: „Das Land Berlin verfolgt mit dieser Zero Waste-Strategie das Ziel, die bestehende Abfallwirtschaft zu einer modernen und möglichst geschlossenen Kreislaufwirtschaft weiterzuentwickeln.“

Zero Waste-Stadtquartiere
Ein „zukunftsorientiertes Stoffstrommanagement“ ist Teil dieser Strategie. Im Januar 2022 veröffentlichte die Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz einen „Leitfaden zur ressourcenschonenden Gestaltung neuer und bestehender Stadtquartiere auf Basis der Zero Waste-Strategie des Landes Berlin“. Denn beim Bau und Abbruch von Gebäuden fällt mit Abstand der meiste Abfall-Massenstrom an. Abrissbeton allein macht in Berlin rund eine Million Tonnen pro Jahr aus. Und auch die Herstellung von Baustoffen und Bauteilen verbraucht Energie und Rohstoffe. Der Leitfaden fokussiert sich in seinem Zero Waste-Ansatz daher vor allem auf das Thema Ressourceneffizienz. Er soll insbesondere Quartiersentwickler:innen, Planer:innnen und Architekt:innen als Planungshilfe dienen.

Download des „Leitfadens zur ressourcenschonenden Gestaltung neuer und bestehender Stadtquartiere“ hier

Shoppen, sharen, reparieren – die Berliner Zentren der Zukunft”
Zu den aus dem Konzept bereits abgeleiteten Maßnahmen zur Vermeidung und Wiederverwendung von Siedlungsabfällen, Klärschlämmen und Bauabfällen gehört auch das Projekt „Re-Use“. Die von der Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz ins Leben gerufene Initiative will mehr Berliner:innen zur Wiederverwendung von Gebrauchtwaren motivieren. Neben Fachtagungen und Veranstaltungen, die zusammen mit lokalen Initiativen durgeführt werden, Ideenwettbewerben wie dem Ideenwettbewerb zur Lebensmittelrettung”, analogen Sammelboxen und digitalen Recycling-Guides sollen im Rahmen der Initiative Re-Use mittelfristig drei bis vier „Zentren der Zukunft“ entstehen. Drei davon existieren bereits.

 

  • Reallabor für Wiederverwendung – das Re-Use-Zentrum im Haus der Materialisierung (Alexanderplatz) Das „Re-Use-Zentrum für klimaschonende Ressourcennutzung“ im Haus der Materialisierung ist Teil des Hauses der Statistik am Alexanderplatz – und zugleich das jüngste der Berliner Re-Use-Zentren. Anfang Juni 2021 wurde das Reallabor für die Themenfelder Sharing, Re-Use, Repairing und Upcycling eröffnet. Die praktische Umsetzung der Wiederverwendung von Materialien wird hier systematisch erfasst und ausgewertet. Besucher:innen bietet das Zentrum Workshops, Märkte, gemeinschaftliches Reparieren, Sharing-Optionen und einen Showroom für hochwertiges Upcycling-Design. Das Projekt will   insbesondere die angrenzenden Wohnquartiere in Berlin-Mitte ansprechen und informieren. Finanziert wird das „Re-Use-Zentrum für klimaschonende Ressourcennutzung“ über das Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm (BEK 2030) sowie über die Koop5.

Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch, Donnerstag 15 bis 19 Uhr
 

  • Kaufhaus der Zukunft – der Re-Use-Superstore (im Karstadt am Hermannplatz)Berlins erster Gebrauchtwaren-Store in einem Kaufhaus wurde im Herbst 2020 eröffnet. Nach einer Corona-bedingten 7-monatigen Pause können Secondhand-Shopper hier seit Juni 2021 wieder nach Herzenslust stöbern. Auf rund 650 Quadratmetern Verkaufsfläche finden sich in der dritten Etage des Traditionskaufhauses am Hermannplatz gut erhaltene gebrauchte Produkte wie Deko- oder Haushaltsartikel, aufgearbeitete Smartphones oder Laptops ebenso wie hochwertige Secondhand-Kleidung und Vintage-Möbel. Berliner Upcycling-Designer:innen bieten ihre Produkte in Pop-up-Markständen an. Auch Workshops, Werkstätten und Panels sollen künftig im „Kaufhaus der Zukunft“ stattfinden.Öffnungszeiten: Montag bis Samstag von 10 bis 20 Uhr (vorerst bis Sommer 2022) 
  • Alles außer neu – die NochMall, das Gebrauchtwarenhaus der BSR (Reinickendorf) Das dritte und zugleich älteste im Bunde der Berliner Re-Use-Zentren ist die „NochMall“ in Berlin-Reinickendorf. In dem von der BSR seit Sommer 2020 betriebene Gebrauchtwarenhaus stehen auf über 2.000 Quadratmetern Möbel, Kleidung, Elektrogeräte, Haushaltswaren, Spielzeug, Bücher und vieles mehr für schmales Geld zum Verkauf. Die Ware für den Verkauf wird auf drei BSR-Recyclinghöfen in Zehlendorf, Reinickendorf und Neukölln gesammelt, kann aber auch direkt in der NochMall abgegeben werden. Das Kaufhaus versteht sich nicht nur als Secondhand-Store, sondern vielmehr als Erlebnisort für Kreislaufwirtschaft und Abfallvermeidung. Initiativen und Unternehmen präsentieren hier ihre nachhaltigen Produkte in Pop-up-Stores. Außerdem gibt es ein Repaircafé, Upcycling-Workshops und weitere Veranstaltungen zu den Themen Re-Use und Nachhaltigkeit.Öffnungszeiten: Montag bis Samstag von 10 bis 18 Uhr, Donnerstag 10 bis 20 Uhr

Es geht um’s Umdenken im Kleinen
Dass „Zero-Waste“ in naher Zukunft nicht bedeutet, keinen Müll mehr zu erzeugen – das ist dem Berliner Senat trotz des erfolgreich eingeleiteten Aktionsplans und der erwähnten Pilot-Projekte bewusst. Das Leitbild Zero Waste „gehe nicht davon aus, dass gar keine Abfälle mehr erzeugt werden: es will diese aber in einem fortdauernden Prozess immer stärker mindern“, heißt es im Abfallwirtschaftsgesetz, 2020–2030. Im Fokus stehen dabei nicht nur quantitative Ziele, sondern auch qualitative Aspekte wie Schadstoffvermeidung und Klimaschutz. Und es geht eben auch darum, ein Bewusstsein in den Berliner Kiezen dafür zu schaffen, dass die kreative Wiederverwendung von Gebrauchtem dabei hilft, materielle Kreisläufe in der Stadt zu schließen und Ressourcen zu schonen. Jede und jeder kann so ein klein wenig zum Klimaschutz beitragen. Und wenn man auf der Suche nach nützlichem Gebrauchten auf das eine oder andere Kleinod stößt – umso besser!

Quelle: Berlin Partner

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